Wissenswert
Eine Herausforderung für uns alle
© Stella Wolkenaer
Neuerkrankungen
Das Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut zählte 2020 mehr als 493.200 Neuerkrankungen an Krebs in Deutschland.
Etwa 261.800 der Betroffenen waren Männer und 231.400 Erkrankungen traten bei Frauen neu auf.
Überlebensrate
Die relative 10-Jahre-Überlebensrate liegt für Männer bei 57 Prozent, für Frauen bei 61 Prozent.
Die relativen 10-Jahre-Überlebensraten sind ein Maß für die Überlebenschancen von Krebspatient:innen im Vergleich mit der allgemeinen Bevölkerung gleichen Alters und Geschlechts.
Überlebenschancen
Sie sind in hohem Maße von der Tumorart und vom Zeitpunkt der Diagnose abhängig.
Leben mit Krebs
Über 1,6 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Krebserkrankung, die innerhalb der vergangenen 5 Jahre diagnostiziert wurde.
Neuerkrankungen 2020
10-Jahre-Überlebensrate
Leben mit Krebs in Deutschland
Warum die Familie mitgedacht werden muss
Es ist von zentraler Bedeutung, dass auch die Zu- und Angehörigen, Familie und Freunde, von Krebspatient:innen umfänglich unterstützt werden. Denn eine Krebsdiagnose verändert nicht nur das Leben der unmittelbar Betroffenen, sondern greift tief in das Gefüge der Familie, Partnerschaft, Freundschaften, Arbeitswelt sowie in unsere Gesellschaft hinein.
Wenn die Patientin oder der Patient allein im Mittelpunkt steht, kann leicht übersehen werden, was die Zu- und Angehörigen – Partner:in, Kinder, Eltern, Freund:innen – brauchen.
Daher ist es wichtig, dass Hilfe nicht nur individuell erfolgt, sondern familienorientiert gedacht wird, z. B.:
Praktische Alltagsunterstützung: Betreuung von Kindern, organisieren des Haushalts, Begleitung zu Therapien, Fahrdienste, alternative Freizeitgestaltung.
Psychische Unterstützung: Eine Krebsdiagnose erzeugt Ängste, Unsicherheit, Rollenverschiebungen (z. B. Partner wird plötzlich Pflegender). Auch Kinder erleben Verunsicherung und brauchen altersgerechte Begleitung. Freund:innen und Arbeitskolleg:innen spüren die Veränderung – Unterstützung hilft, damit diese Beziehungen nicht unter der Erkrankung leiden.
Projektangebote und gemeinsame Zeit: Wichtig sind Angebote, bei denen alle gemeinsam eine gute Zeit verbringen können. Solche Angebote stärken das Vertrauen, zeigen: „Wir sind gemeinsam unterwegs“ und fördern die (Neu)Gestaltung von gemeinsamen Lebensphasen trotz Erkrankung.
Grundsätzlich gilt: Kommunikation und Unterstützungsangebote sind wichtig. Informationsmaterialien oder Austauschgruppen können helfen, Unsicherheit abzubauen und gemeinsame Basis zu schaffen. Konkrete Projekte in den Bereichen Bewegung und Natur, tiergestützte Aktivität, Kreative Arbeit tun individuell gut und zeigen im gemeinsamen Erleben mögliche Wege auf.
Für den Partner / die Partnerin
Die Rolle kann sich grundlegend ändern: Von der gleichberechtigten Lebensgemeinschaft hin zu einer, bei der der eine unterstützt, pflegt, organisiert – oft zusätzlich zur eigenen beruflichen und familienbezogenen Verantwortung. Das erzeugt Belastung, mögliche Isolation, Sorgen um gemeinsame Zukunft, Sexualität, Rollenbild … Eine gezielte Begleitung hilft, diese neue Rolle aktiv und nicht nur überfordert zu gestalten.
Für Kinder
Kinder erleben die Erkrankung eines Elternteils als zutiefst verunsichernd. Sie fragen sich: Wird es Mama oder Papa schaffen? Wer übernimmt jetzt den Alltag? Wer passt auf mich auf? Wie weit geht meine Verantwortung? Altersgerechte Informationen, offene Kommunikation und Rückzugsräume sind wichtig. Auch die Möglichkeit, gemeinsam mit der Familie etwas „normales“ zu erleben – z. B. eine Freizeitaktion – gibt Stabilität.
Für Freund:innen und Arbeitskolleg:innen
Auch sie sind indirekt betroffen. Eine Krebserkrankung eines Freundes oder Mitarbeiters verändert Dynamiken: Wie kann ich unterstützen? Was sage ich? Wie bleibt Arbeitsalltag möglich? Wenn Angehörige in Anspruch genommen werden (z. B. Partnerschaft, Kinder, Haushalt), wirken sich die Konsequenzen auch im beruflichen Umfeld aus (Ausfälle, Neuorganisation).
Gesellschaftliche Relevanz
Die Auswirkung von Krebserkrankungen geht weit über das Individuum hinaus. Aus gesellschaftlicher Sicht bedeutet dies: Jede Krebserkrankung zieht nicht nur gesundheitliche Kosten und medizinische Versorgung nach sich, sondern auch sozialen Aufwand, belastet Arbeitsmarkt, Pflege- und Versorgungsstrukturen, Familienmanagement. Wenn Angehörige nicht mitgedacht werden, entsteht häufig Schaden: Partnerschaften geraten unter Druck, Kinder erleben Belastungen, Arbeitskräfte gehen verloren, soziale Isolation und psychische Erkrankungen nehmen zu.
Eine starke familien- und netzwerkbezogene Unterstützung entlastet nicht nur direkt Betroffene und ihre Angehörigen – sie stärkt das gesamte System: bessere Resilienz von Familien, geringere Folgekosten für Gesellschaft und Gesundheitssysteme, stärkere Teilhabe von Erkrankten und ihren Familien am sozialen Leben.
Fazit
Die Unterstützung von Zu- und Angehörigen – sei es praktisch im Alltag, psychisch im Erleben oder durch konkrete gemeinsame Projekte – ist kein optionaler Zusatz, sondern ein wesentlicher Bestandteil jeder guten Krebs-Versorgung und eines gelingenden Lebens mit und nach der Erkrankung. Wenn wir mitdenken, dass nicht nur eine einzelne Person betroffen ist, sondern ein ganzes Umfeld, dann schaffen wir gemeinsame Wege, in denen schwierige Zeiten durch Gemeinschaft und Begleitung leichter bewältigt werden können.
